Institut für Electronic Commerce und Digitale Märkte
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DFG SFB TRR 190 Rationalität und Wettbewerb

DFG Transregio-Sonderforschungsbereich ─ „Rationality and Competition: The Economic Performance of Individuals and Firms“

Der Transregio-Sonderforschungsbereich (SFB) „Rationality and Competition: The Economic Performance of Individuals and Firms“ (TRR 190) soll untersuchen, welche Bedeutung Einblicke in das Verhalten von Individuen und Firmen für die neoklassische Ökonomie und ihre theoretischen Modelle haben. Zu den zu untersuchenden Fragen gehört, wie zum Beispiel systematische Fehleinschätzungen über Ausbildung und Gesundheit die wirtschaftlichen Entscheidungen privater Haushalte beeinflussen. Aus Unternehmenssicht wird beispielsweise analysiert, wie Firmen auf das Verhalten ihrer Kunden und ihrer Belegschaft reagieren, z. B. durch das Anpassen ihrer Marketingstrategien, ihrer Organisationsstrukturen oder ihrer Innovationsaktivitäten. Die Wissenschaftler/innen erhoffen sich auch Erkenntnisse über die Effizienz von Märkten und die Effektivität verschiedener wirtschaftspolitischer Maßnahmen, etwa im Steuerbereich. Zu den beteiligten Institutionen gehören neben der LMU die Humboldt Universität (HU) Berlin und weitere Forschungseinrichtungen, wie das ifo Institut oder das Max-Planck-Institut.

Teilprojekt A05 (Spann und Klapper) – “Transparency and Product Choice”

Das übergeordnete Forschungsthema von Teilprojekt A05 besteht darin, Verhaltensverzerrungen bei Konsumentenentscheidungen zu untersuchen, indem Verhaltensökonomie mit einer Marketingperspektive kombiniert wird. Das Projektziel für die zweite Förderperiode besteht darin, die Auswirkungen von Transparenz, d.h. Quantität und Qualität der Informationen, die Konsumenten in ihren Auswahlsituationen zur Verfügung gestellt werden, auf die Entscheidungsfindung der Konsumenten zu untersuchen. Eine geringere Transparenz (in Bezug auf Quantität und Qualität der Informationen) erhöht die Unsicherheit der Konsumenten und kann daher zu verzerrten Entscheidungen führen. Daher wird erwartet, dass eine Erhöhung der Transparenz Konsumenten hilft bessere Entscheidungen zu treffen. Für Unternehmen kann Transparenz Vorteile in Bezug auf höhere Kundenzufriedenheit und Umsatz haben. Transparenz ist jedoch auch für Unternehmen riskant, da dadurch Informationen an Wettbewerber weitergegeben und strategische Optionen eingeschränkt werden können. Darüber hinaus fordern Aufsichtsbehörden zunehmend Transparenz von Unternehmen, wie beispielsweise die Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für die Verwendung von Online-Cookies sowie die aktuelle Diskussion zur Offenlegung von Empfehlungs- und Preisalgorithmen. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Bedeutung von (Markt-)Transparenz ist es überraschend, dass die Auswirkungen von Transparenz auf die Produktauswahl der Konsumenten sowie mögliche Entscheidungsverzerrungen bislang kaum berücksichtigt wurden. Im Gegensatz zur naiven Erwartung eines allgemein positiven Effekts der Transparenz auf die Entscheidungsfindung ist Transparenz möglicherweise nicht immer im besten Interesse der Konsumenten: Beispielsweise kann die Bereitstellung zu vieler Informationen aufgrund erhöhter Transparenz Konsumenten überfordern und zu schlechteren Entscheidungen führen. Daher hängt das optimale Maß an Transparenz von verschiedenen Aspekten ab, u.a. Kontextfaktoren, Gestaltung des Auswahlsets sowie den kognitiven Fähigkeiten und Erfahrungen der Konsumenten. Transparenz kann Verbraucher auf verschiedene Weise und in unterschiedlichen Bereichen beeinflussen (z.B. Auswahl von Waren und Dienstleistungen, Auswahl von Arbeitgebern, Investitionsverhalten). Ziel der zweiten Förderperiode von Projekt A05 ist es, die Auswirkungen von Transparenz auf Entscheidungsverzerrungen und Produktauswahl zu untersuchen. Insbesondere sollen die Auswirkungen von Transparenz in Bezug auf (i) die Kosten und die Preisgestaltung des Verkäufers, (ii) die Art und Weise, wie Produkte hergestellt werden, und (iii) die Gestaltung des Auswahlsets (z.B. Empfehlungslisten, Quelle der Empfehlungen) untersucht werden.

In der ersten Förderperiode untersuchte Projekt A05 Konsumentenentscheidungen bei langlebigen Gebrauchsgütern, mit einem Fokus auf die Automobilindustrie. So könnten die Entscheidungen beim Kauf eines Autos durch systematische Verzerrungen beeinträchtigt sein, z.B. durch verzerrte Erwartungen über den eigenen Konsum, Benzinpreise, den Wiederverkaufswert des Autos oder potentielle Einsparungen durch die Nutzung von Car Sharing-Diensten. Die Automobilindustrie eignet sich besonders gut, um Abweichungen vom rationalen Verhalten zu untersuchen: auf der einen Seite stehen Konsumenten hier vor einer finanziell großen Entscheidung, was konsistentes Entscheidungsverhalten wahrscheinlich macht. Auf der anderen Seite erhöhen ständige Innovationen und intensiver Wettbewerb die Komplexität der Entscheidungen, was Verzerrungen bei der Entscheidung wahrscheinlich macht. Das Teilprojekt hat das Ziel zu analysieren, welche Verzerrungen auf solche Entscheidungen einwirken können. So wird beispielweise der kausale Effekt von Overconfidence und Ambiguitätsaversion auf Konsumentenentscheidungen zwischen verschiedenen Motortechnologien oder zwischen dem Kauf eines Autos und der Nutzung von Car Sharing-Diensten untersucht. Weitergehend wird untersucht, inwiefern Entscheidungs-Framing diese Effekte beeinflusst, z.B. durch die Bereitstellung zusätzlicher Informationen. Die Ergebnisse sollen Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik darüber informieren wie verzerrte Entscheidungen oder die falsche Verarbeitung von Informationen vermieden werden können. Diese Informationen können beispielsweise Unternehmen für die Gestaltung ihrer Marketingstrategien und Behörden für Regulierungsempfehlungen nutzen. Gleichwohl können Konsumenten über ihr Entscheidungsverhalten informiert werden und dieses ggf. anpassen. Methodisch sind Laborexperimente mit induzierter Wertschätzung, hypothetische Entscheidungsexperimente und Feldexperimente geplant.

Der Transregio SFB existiert seit 2017 und wird nun für vier weitere Jahre gefördert (2021 – 2024) mit der erneuten Option auf Verlängerung. Weitere Informationen finden Sie auf der Projektwebsite: https://rationality-and-competition.de/.

Mitwirkende

Kooperationspartner